Arbeitsweise

Über Gespräche und über einfache, körperorientierte Methoden (z.B. haltgebende Berührungen, Massage oder Visualisierung einer schönen Situation) wird es möglich, den Kreislauf von Stress, Körperanspannung und Bindungsverlust zu unterbrechen und wieder mehr Sicherheit und Halt im eigenen Körper zu finden. Der Aufbau einer emotionalen Bindung zu sich selbst wird in der EEH-Arbeit als wichtigste Voraussetzung für die Entwicklung einer stabilen Bindung zwischen Eltern und Kindern gesehen.​

Der Schwerpunkt und das Interesse der EEH richtet sich auf die Begleitung von Eltern und ihren Säuglingen. Sie kann aber auch bei Konflikten und Krisen mit älteren Kindern eingesetzt werden.

Geschichte der EEH

Thomas Harms, Psychologe und Körpertherapeut aus Deutschland, hat vor über 30 Jahren mit der Entwicklung der heutigen EEH begonnen, nachdem er in den 80er Jahren angefangen hat mit untröstlich weinenden Säuglingen zu arbeiten (mehr über Thomas Harms).

Im Rahmen eines Forschungsprojekts erfuhr er, was es bedeutet, wenn Eltern sich den alltäglichen Anforderungen in der Begleitung ihrer Babys nicht mehr gewachsen fühlen. Ein inniger Zugang zu ihren Babys wurde für die erschöpften, enttäuschten, hilflosen, ohnmächtigen und verzweifelten Eltern immer problematischer. Eine passende Anlaufstelle für die geplagten Eltern gab es damals praktisch nicht. Sie fühlten sich allein gelassen, beschämt und isoliert. 1993 gründete Harms die erste Schreiambulanz. Der Grundstein, eine Anlaufstelle für Menschen zu bieten, die sich durch die Unruhe und das Schreien ihrer Babys überfordert fühlten, war gelegt. So unterschiedlich die belasteten Hintergründe der betroffenen Eltern waren, bestand ihre Not immer darin, dass sie nicht verstanden, warum sie die Bedürfnisse ihrer Babys nicht befriedigen konnten. Vielmehr schienen die Babys die angebotene Nähe und Geborgenheit abzulehnen.

Gestützt auf den Grundlagen der modernen Körperpsychotherapie, der psychoanalytischen Gesprächsverfahren sowie der Bindungs-, Gehirn-, Säuglings- und Traumaforschung hat die EEH im Laufe der Jahre kontinuierlich Werkzeuge für die Eltern-Baby-Arbeit entwickelt. Das Ziel ist der (Wieder-)Aufbau einer sicheren und stabilen Bindungsbeziehung der Eltern zu ihren Kindern. Wenn Eltern in einem entspannten bzw. entspannungsfähigen Zustand sind, gelingt es ihnen, auf ihre Gefühle zu hören und ihren Impulsen im Umgang mit sich und dem Kind zu vertrauen. So können sie die Signale des Babys besser entschlüsseln sowie intuitiv auf seine Bedürfnisse und Kontaktangebote eingehen. Dies führt zu einer Beruhigung der belastenden Situationen im Alltag.

Für wen eignet sich die EEH?

Die Emotionellen Erste Hilfe (EEH) ist eine körperorientierte Arbeit, welche die Stärkung einer liebevollen, emotionalen Eltern-Kind-Bindung in der Schwangerschaft und nach der Geburt unterstützt.

In der EEH gehen wir davon aus, dass sich ein feinfühliger und liebevoller Dialog zwischen Eltern und ihren Kindern leicht und selbstverständlich entfaltet, wenn die Eltern körperlich entspannt sind.

Die Arbeit wird in der Prävention, der Entwicklungsberatung und in der Krisenbegleitung für Eltern, Säuglinge und Kleinkinder eingesetzt.

Das Video, eine Initiative des Schweizerischen Fachverbands für die Emotionelle Erste Hilfe, bietet einen Einblick in die Arbeit der EEH. 

Was unterscheidet die EEH von anderen Begleitungen?

EEH BeraterInnen unterstützen Eltern dabei, sich selber in schwierigen Situationen besser zu verstehen und ihre elterliche Feinfühligkeit und Bindungsbereitschaft durch eine Rückanbindung an den eigenen Körper wieder herzustellen. Dies geht in einem stressgeladenen Alltag oft verloren. Wir laden Eltern dazu ein, die Dynamik in der Krise zu erkennen und die Gefühls- und Körperreaktionen, welche belastende Situa-tionen hervorrufen, wahrzunehmen, zu ver-stehen und mit dem empfundenen Stress zu verknüpfen. Dadurch wird die Wahrnehmungs- und Selbstanbindungs-fähigkeit gestärkt. Die Erkenntnisse aus der Sitzung, und den Umgang mit ihren Reaktionen auf stressgeladene Situationen setzen die Eltern in ihrem Alltag um. Dies ist eine grosse Hilfe und Erleichterung im Umgang mit sich und dem Kind.

Beim Kind kann sich durch die gesicherte Basis einer selbstangebundenen Bezugs-person oft schon ganz viel lösen. Manchmal ist es aber wichtig, dass wir mit viel Empathie und Halt dem Kind die Möglichkeit geben, belastende Gefühle zum Ausdruck zu bringen und zu integrieren.

Für wen eignet sich die EEH?

Die EEH ist wirkungsvoll in ganz vielen Bereichen. Ursprünglich wurde sie für Eltern und Babys in emotionellen Krisen nach der Geburt entwickelt. Doch die heutige EEH-Arbeit setzt überall dort an, wo Eltern und Kinder Belastendes erlebt haben oder sich in belastenden, wiederkehrenden Situa-tionen wiederfinden (z.B. häufiges, untröstliches und heftiges Weinen). Die EEH-Begleitung unterstützt Eltern und Familien mit Angeboten, die ihre Sicherheit und Eigenkompetenz fördern sowie die Bindung zu sich und zum Kind stärken.

Wir begleiten beispielsweise Eltern, die sich mit Still-, Schlaf- und Schreiproblemen an uns wenden oder wenn sie rund um Schwangerschaft und Geburt Belastendes durchlebt haben, das Nachsorge und Integration braucht. Wir unterstützen werdende Eltern dabei, sich auf die neue und veränderte Lebenssituation vorzubereiten oder Eltern, denen der Alltag über den Kopf wächst.

Ausserdem ist die EEH eine tolle Möglichkeit, um Familien präventiv bindungsstärkend zu unterstützen.

Alle anderen gehen vor?

Eltern setzen sich und ihre Bedürfnisse nicht selten zurück. Für den Aufbau eines sicheren Bindungsfeldes zwischen sich und dem Kind ist ein gutes "Bei-sich-sein" aber Grundvoraussetzung.

Durch einfache, körperorientierte Methoden wie haltgebende Berührungen, Atemarbeit, Visualisierungen, Entspannungstechniken, Ressourcenstärkung und weitere Angebote wird dies unterstützt und etabliert.

Die Eltern lernen, wieder auf sich und ihre Bedürfnisse zu hören und diesen auch Platz zu geben. Das ist eine wichtige Voraussetzung für ein bindungsstarkes Zusammensein im Familienalltag. Denn nur wer gut für sich selber sorgt und im Kontakt ist mit seinem eigenen Körper ist, kann auch Kontakt zu anderen aufbauen.

Überall,
wo sich Bindung
entfaltet, ist das Herz berührt - überall, wo das Herz berührt ist, entsteht
Bindung.

(Cornelia Reichlin)